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Mehr psychische Erkrankungen
Psychiater und Psychotherapeuten treten in Österreich mit einer eigenen Gesellschaft auf: Depressive in internistischen Abteilungen.


Salzburger Nachrichten, 4.4.2001

WIEN (SN, APA). Psychische Erkrankungen werden immer häufiger. Das gilt ganz besonders für den Morbus Alzheimer und Depressionen. Dies erklärten am Dienstag Fachleute aus Anlass der Gründungsmatinee der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien.
Staatssekretär Reinhart Waneck will in den kommenden Jahren ganz besonders die Dezentralisierung der Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen und Erkrankungen vorantreiben. Der österreichische Psychiatrieplan aus dem Jahr 1999 und der Krankenanstaltenplan würden in den kommenden Jahren mit der Schaffung von knapp 20 Abteilungen für Akutpsychiatrie die Chance zur vermehrten Dezentralisierung bieten. Waneck: "Das Prinzip ist im Grunde relativ einfach: ,Ambulant kommt vor stationär.' Wenn aber eine stationäre Aufnahme benötigt wird, sollte sie so gemeindenah wie möglich erfolgen können." Diese angestrebten strukturellen Veränderungen müssten im Lichte der epidemiologischen Veränderungen zügig vorangetrieben werden. Psychische Erkrankungen werden nämlich immer häufiger.
Univ.-Doz. Dr. Walter Schöny, Präsident der neuen Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie: "Man muss damit rechnen, dass jeder Vierte in seinem Leben von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Nicht nur die Patienten leiden, auch die Familienangehörigen. Man hat errechnet, dass auf der Welt alle 40 Sekunden ein Mensch Selbstmord begeht." In vielen Fällen wären psychische Erkrankungen der Grund für Suizide.
Univ.-Prof. Dr. Marianne Springer-Kremser, Vorstand der Universitätsklinik für Tiefenpsychologie und Psychotherapie in Wien: "Wir sehen eine deutliche Zunahme der schweren Störungen. Es wird aber auch Vieles besser diagnostiziert. Andererseits ist das Leben einfach nicht leichter geworden." In Österreich sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle.
"Das Grundproblem ist, dass die Betroffenen bei Depressionen nicht unter einem definierten Krankheitsgefühl leiden und daher die Notwendigkeit einer Behandlung oftmals nicht erkannt wird", erklärte Univ.-Prof. Dr. Harald Schubert, Ärztlicher Direktor des psychiatrischen Krankenhauses des Landes Tirol in Hall, aus Anlass des Weltgesundheitstages (7. 4.). Diese mangelnde Krankheitseinsicht sei umso stärker ausgeprägt, je intensiver die Depression auftrete. Zum Vergleich: In Österreich werden an die 1000 Menschen pro Jahr Opfer von Verkehrsunfällen. Selbstmord begehen rund 1600 Personen. "Und genau das macht die Motivationsarbeit, sich in einer Klinik behandeln zu lassen, äußerst schwierig", erklärte Schubert weiter. Allerdings: Rund 25 Prozent der Patienten mit Depressionen werden in allgemeininternistischen Abteilungen behandelt. "Aber nicht auf Grund von Fehldiagnosen, sondern auf Grund der noch immer hoch akuten und weit verbreiteten Berührungsangst mit der Psychiatrie an sich."


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Psychotherapie auf Krankenschein
Leserbrief


Salzburger Nachrichten, 31.3.2001

Es wurde in letzter Zeit öfters die Behauptung aufgestellt (auch in den SN), es gäbe im Bundesland Salzburg keine Psychotherapie auf Krankenschein. Diese Aussage ist falsch. Entsprechende vertragliche Vereinbarungen zwischen der Ärztekammer und der Salzburger Gebietskrankenkasse und den kleinen Kassen bestehen. Ärzte mit Kassenvertrag der Fachrichtung Psychiatrie und Neurologie sowie alle anderen Kassenärzte mit entsprechendem Diplom (Zusatzausbildung) können per Krankenschein psychotherapeutische Leistungen abrechnen.
Nähere Informationen erteilt sicher gern die Ärztekammer oder die Gebietskrankenkasse.

Dr. Peter Klaffenböck
Arbeitskreis der Ärzte für psychotherap. Medizin
5020 Salzburg


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Psychotherapie ist Kosten sparend
Leserbrief zum Artikel "Versicherte betrogen" in den SN vom 8. 2. 2001
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Salzburger Nachrichten, 24.2.2001

In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Salzburger Gebietskrankenkasse - nach meiner Meinung zu Recht - stolz auf ihre Rücklagen ist. Zynisch mutet aber die Begründung an, indem diese Rücklagen auch dadurch zu Stande gekommen seien, dass neue Leistungen wie z. B. Psychotherapie nicht auf Krankenschein bezahlt würden.
Der Tatbestand, dass aus Ersparnisgründen (um Rücklagen zu schaffen) neue wichtige Leistungen den Kassenpatienten finanziell vorenthalten werden - die Vergütung von 300 S pro Stunde ist ja eher eine symbolische Geste als eine ernst zu nehmende Bezahlung -, betrachte ich als unethisch und kurzsichtig.
Es kann doch nicht sein, dass nur das Althergebrachte bezahlt wird und neue Behandlungsmethoden in einer Warteschlange anstehen müssen, bis endlich Geld vorhanden ist. Eine patientenbezogene Gesundheitsversorgung sollte vielmehr den Gesamtkuchen im Hinblick auf effiziente Methoden verteilen und gegebenenfalls auch Althergebrachtes streichen, damit für das Neue Platz ist. Bei der Einführung neuer, teurer, somatischer Verfahren verwendet man auch nicht das Warteschlangenprinzip, sondern sucht im Gesamtkuchen eine Finanzierungsmöglichkeit. In diesem Sinne ist ein Umdenken bei der Salzburger Gebietskrankenkasse, aber auch den anderen Krankenkassen dringend notwendig; dies umso mehr, als auch neuere Überblicksarbeiten zeigen, dass Psychotherapie Kosten sparend ist.

O. Univ. Prof. Dr. U. Baumann
Universität Salzburg
Institut für Psychologie
5020 Salzburg


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Versicherte betrogen
Krisensitzung in der GKK: Den Zugriff auf Rücklagen für andere, marode Kassen will man notfalls mit Kampfmaßnahmen verhindern.


Salzburger Nachrichten, 8.2.2001

SALZBURG (SN-zak). Wenn es sein müsse, werde man die betrogenen Salzburger Versicherten mobilisieren. Der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK), Uwe Knauer, findet deutliche Worte für die Pläne, dass einige Kassen ihre Rücklagen zur Sanierung der Not leidenden übrigen Kassen herausrücken sollen.
"Wegen einer verantwortlichen Geschäftsführung droht nun der Salzburger Gebietskrankenkasse eine Bestrafung", sagt Knauer. Die SGKK hat 1,3 Mrd. S Bargeldrücklagen und wird im Jahr 2000 "trotz schwieriger Bedingungen" ausgeglichen bilanzieren. Die SGKK stehe deshalb so gut da, weil die Salzburger Versicherten unter anderem auf einiges verzichten mussten. Etwa auf die Psychotherapie auf Krankenschein. Andere Kassen, die bereits in Finanzkrisen steckten, hätte diese neue Leistung ohne Scheu vereinbart; in vollem Bewusstsein, dass neue Leistungen nicht zu finanzieren sind. "Und nun müssen die Salzburger auch diese Leistung der anderen Kassen finanzieren, obwohl sie ihnen selbst nicht gewährt werden."
Am Mittwoch trafen einander Arbeiterkammer- und Wirtschaftskammerspitzen sowie der Verwaltungsausschuss der SGKK zur Krisensitzung. Der einstimmige Tenor: Man bekennt sich zum solidarischen Ausgleich über den Ausgleichsfonds (schon bisher zahlen finanzkräftige Kassen 2-1073742904er Beiträge für jene, denen es etwa auf Grund der Bevölkerungsstruktur weniger gut geht). Darüber hinaus sei man aber nicht gewillt, Gelder, die der langfristigen Absicherung der Leistungen für die Salzburger dienen, zu gefährden. Sollten Gespräche nichts bringen, werde an Kampfmaßnahmen gedacht, so Knauer.
Auch für Wirtschaftskammer-Vizepräsident Augustin Heuberger, Vorsitzender der SGKK-Kontrollversammlung, kommt ein "Abzweigen der Beiträge Salzburger Arbeitgeber und Arbeitnehmer in andere Bundesländer keinesfalls in Frage". LHStv. Gerhard Buchleitner (SPÖ): "Sparsamkeit wird bestraft, Kassen, die unwirtschaftlich gearbeitet haben, sollen belohnt werden."


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Salzburg: Psychotherapie auf Krankenschein ist nicht in Sicht


Salzburger Nachrichten, 19.1.2001

SALZBURG (SN-alf). Die Situation psychisch kranker Menschen in Salzburg ist schwierig. Darauf macht Sigrid Fechter von der Initiative "Psychiatrie positiv" anlässlich eines internationalen Psychotherapie-Kongresses im Brunauer-Zentrum (Freitag/S-amstag) in Salzburg aufmerksam. Nach wie vor gebe es in Salzburg keine Psychotherapie auf Krankenschein, sagt Fechter. Dies, obwohl es seit Jahren versprochen ist. Wer kein eigenes Vermögen habe, könne sich die notwendige Behandlung oft nur mit Unterstützung der Sozialhilfe leisten, kritisiert Fechter.

"Eine Therapie auf Krankenschein wird es nicht so rasch geben", sagt GKK-Direktor Harald Seiss. Die finanzielle Lage der Kasse sei schlecht. Im vergangenen Jahr gab es einen Abgang von 100 Mill. S. Die Leitung der GKK habe daher beschlossen, dass bis auf weiteres keine neuen Aufgaben mehr in Angriff genommen werden. Einen Bedarf nach einer Psychotherapie auf Krankenschein gebe es aber sicher, sagt Seiss. Experten schätzen, dass fünf Prozent der Bevölkerung, etwa 25.000 Personen, eine solche Behandlung benötigen würden.

Eine Einigung auf Bundesebene sei leider gescheitert, so Seiss. Es sei nicht möglich, eine Extra-Vereinbarung für Salzburg zu treffen, auch wenn die finanziellen Mittel vorhanden wären. Andere Modelle, wie eine Vereinslösung, könnten imMoment ebenfalls nicht umgesetzt werden. So gibt es etwa in Wien einen Vertrag zwischen der GKK und den Psychotherapeuten. Die Krankenkasse habe dabei eine gewisse Anzahl von Therapiestunden angekauft. Die Patienten könnten diese dann in Anspruch nehmen.

In Salzburg zahlt die GKK für eine Therapiestunde einen Zuschuss von 300 S. "Angesichts der Tarife nur ein Trostpflaster", so Fechter.
Seiss verweist darauf, dass es auch eine Vereinbarung mit dem Sozialmedizinischen Dienst gebe, der besonders krasse Fälle auffangen kann. Es sei aber keine Frage, dass eine bessere Betreuung der psychisch Kranken in Salzburg sicher ganz oben auf der Liste der GKK stehe, sobald sich die finanzielle Lage der Kasse verbessert hat.


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Psychotherapie in Diskussion


WIEN (SN, APA). 1990 wurde in Österreich das Psychotherapiegesetz verabschiedet. Das zehnjährige Jubiläum ist dem heimischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) "eine Feier wert", wie Präsidentin Margret Aull am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien betonte: "Es ist im europäischen Raum ein einzigartiges Gesetz." Getrübt werde die Freude jedoch dadurch, dass es noch immer kein Konzept und keine Einigung zur Therapie auf Krankenschein gebe. "Das sei ein unzumutbarer Zustand". Das bestehende Zuschusssystem führe zu einem Patienten-Selbstbehalt von bis zu 75 Prozent. Als Vorbild könne der bestehende Vertrag in Tirol dienen: "Wir wollen mit allem Druck dem Hauptverband abringen, dass dieses praktizierte Modell ernsthaft verhandelt wird."
Dort entscheide ein Expertengremium für die Kasse, ob eine Therapie von der Sozialversicherung bezahlt wird. Der Bedarf am Angebot ihrer Berufsgruppe sei jedenfalls da, wie Margret Aull versicherte. Demnach sind in Österreich rund 2,1 bis fünf Prozent der Bevölkerung therapiebedürftig - und auch motiviert eine Behandlung zu beginnen.


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Keine Psychotherapie auf Krankenschein

SALZBURG (SN). Psychisch kranke Menschen werden sich in Salzburg nicht auf Krankenschein behandeln lassen können. Die Gebietskrankenkasse wird keine neuen Leistungen anbieten, bis sich die finanzielle Lage der Kasse entspannt hat. "Die Einsparungen im Gesundheitssystem fordern ihre ersten Opfer", kritisiert LH-Stv. Gerhard Buchleitner (SPÖ). Menschen in persönlicher Notlage würden so vom Zugang zu Gesundheitsleistungen ausgeschlossen. Derzeit erhalten die Patienten 300 S pro Stunde für die Behandlung rückerstattet. Verlangt werden 700 bis 1200 S. "Bei durchschnittlich 30 bis 50 Stunden Therapieaufwand enstehen private Kosten von rund 20.000 S. Das ist für viele unfinanzierbar", so Buchleitner.


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Ein Krach im Psycho-Gebälk
Einen Generalangriff auf die vorgebliche oder wirkliche Unwissenschaftlichkeit in der Psychotherapie-Szene startete ein deutscher Wissenschaftsjournalist.

von Gerald Mackenthun
Salzburger Nachrichten, 4.9.2000

FRANKFURT/MAIN (SN, dpa). Psychotherapie ist nach Ansicht des Wissenschaftsjournalisten Rolf Degen eine moralisch verkommene Veranstaltung von sündhaft teuren, inkompetenten Gesundbetern, die den Patienten Allwissenheit über die menschliche Psyche vorgaukeln, in Wahrheit aber nur längst widerlegten Mythen aufsitzen. Harsche Worte wählt Degen in seinem jüngsten Werk "Lexikon der Psycho-Irrtümer", um die seines Erachtens durchgehende Wirkungslosigkeit der psychotherapeutischen Schulen zu geißeln. Ihr Einfluss sei nicht größer als ein Placebo oder ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Freund. Mit einem Frontalangriff auf den "Irrgarten" von nunmehr 600 konkurrierenden Therapierichtungen will der Bonner Wissenschaftsjournalist die Psycho-Zunft zwingen, den Schritt von der "reinen Quacksalberei" zu einer ernsthaften Wissenschaft und echten Heilungsalternative zu machen. Sein Buch, eine fulminante Abrechnung mit Grundnahmen von Psychologie, Psychosomatik und Esoterik, erscheint heute, Montag, im Eichborn-Verlag (Frankfurt/Main).
Der 47-jährige Degen bezeichnet sämtliche Grundannahmen der Psychoanalyse, von der psychosexuellen Entwicklung bis zum Unbewussten, als unhaltbar. Freud habe mehr Schaden angerichtet als Marx. Und doch, darin liegt nach Degen der Skandal, zögen Analytiker den Krankenkassen Geld für Langzeittherapien aus der Nase.
Nach Degen stammten die Irrlehren aus der Frühzeit der Industrialisierung und würden von Psychologen und Geistheilern, die sich hermetisch gegen jeden wissenschaftlichen Fortschritt abkapseln, seit Generationen nachgeplappert. Degen ist anerkannter Psychologie-Journalist. Er veröffentlicht in den besten deutschen Zeitungen und erhielt dafür den "Preis für Wissenschaftspublizistik" der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Er leistet freilich das, was die meisten Psychologen bisher versäumten: sich mit der biologischen Begrenzung des Menschen zu befassen und daraus die Konsequenzen zu ziehen für wissenschaftlich saubere Aussagen.
Degens notwendiges und verdienstvolles Buch hat dennoch Schwächen. Er trumpft mit Behauptungen auf, die nicht weniger einseitig und unhaltbar sind als jene, die er angreift. Kann wirklich keine einzige psychotherapeutische Schule Heilwirkungen vorweisen?
Die Krux mit Psychologie und Psychotherapie liegt in der Ungenauigkeit des Gegenstandes "Seele"; Studie steht gegen Studie. Degen räumt ein, dass die Debatte um die Wirkung von Psychotherapie keineswegs abgeschlossen ist. Rolf Degen: "Lexikon der Psycho-Irrtümer. Warum der Mensch sich nicht therapieren, erziehen und beeinflussen lässt". Eichborn Verlag, Frankfurt/M., 338 S., S 319,90)


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Therapie abgesagt
Die Psychotherapie auf Krankenschein wurde als Erfolg gefeiert.
Nun wurde die Einführung verschoben. Bedenken gibt es auch in Salzburg.


von Alfred Pfeiffenberger
Salzburger Nachrichten, 16.3.2000

SALZBURG (SN). Verantwortlich dafür, dass die Psychotherapie auf Krankenschein vorerst nicht eingeführt wird, ist der Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Anfang dieser Woche entschieden die Gremien, dass kein entsprechender Beschluss gefasst wird. Das Thema wurde von der Tagesordnung gestrichen. Verantwortlich dafür sollen die ÖVP-dominierten Kassen gewesen sein. Der Präsident des Bundesverbandes der Psychotherapeuten, Alfred Pritz, sagte, dass die Gebietskrankenkassen von Vorarlberg und Tirol, die Krankenversicherung der Gewerblichen Wirtschaft und der Bauernkrankenkasse sowie die Vertreter der Bundeswirtschaftskammer die Absegnung des Vertrages verhindert hätten. Vor allem die hohen nicht kalkulierbaren Kosten waren für die Skepsis verantwortlich.

Allerdings hatten auch die Psychotherapeuten ihr Scherflein zum Scheitern der Verhandlungen beigetragen. Sie hatten eine Resolution verabschiedet, in der sie sich mit dem Verhandlungsergebnis nicht zufrieden zeigten und Nachbesserungen verlangten. Dies hatte bei den Krankenkassen Zweifel am Vertragspartner aufkommen lassen. Vereinbart war jedenfalls, dass die Kasse für eine Therapiestunde 650 S bezahlt, es hätte etliche Ärzte mit einem Kassenvertrag gegeben.

Auch in der Salzburger GKK wird die Psychotherapie auf Krankenschein von den Vertretern der Arbeitgeber abgelehnt. Einer ihrer Vertreter ist LH-Stv. Wolfgang Eisl. Er sagte, dass es vor allem die unklaren Kosten sind, wegen denen es Bedenken gebe. 30 bis 40 Mill. S wären wahrscheinlich notwendig. Geld, das die Kasse im Moment nicht habe. Es müsse aber auf jeden Fall eine Lösung geben, da es einen Bedarf gebe. GKK-Direktor Harald Seiss sagte, dass die Arbeitnehmer-Vertreter für Psychotheraphie auf Krankenschein sind. Falls es in den Gremien zu einem Patt komme, müsse das Sozialministerium entscheiden. Vorausgesetzt, dass es im Hauptverband doch noch eine Einigung gibt.


Wunsch und Wirklichkeit
Die Krankenkassen schreiben ein Milliardendefizit. Über die Sanierung herrscht Ratlosigkeit. Denn die Politik hat die Auswege versperrt.


von Sylvia Wörgetter
Salzburger Nachrichten, 18.12.99

Bei Hans Sallmutter, dem Präsidenten des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, dürfte sich die Freude über die vorweihnachtliche Einladung ins Bundeskanzleramt in engen Grenzen halten. Nicht nur weil das Verhältnis des Gewerkschafters zum Bundeskanzler ohnedies gestört ist, nachdem Sallmutter den Wahlkampf der SPÖ gegeißelt hat. Sondern deshalb, weil Viktor Klima von Sallmutter quasi die Quadratur des Kreises verlangt: der Sozialversicherungsfunktionär soll Vorschläge bringen, wie das Defizit der Krankenkassen ausgeglichen werden kann, das heuer mehr als drei Milliarden S betragen (Grafik) wird. Doch - so die Auflage des Bundeskanzlers - darf weder an den Leistungen für die Versicherten gespart noch an Beitragserhöhung gedacht werden. Dummerweise sind gerade dies die fast einzigen Möglichkeiten, wie die Kassen wieder zu Geld kommen können, solange nicht Strukturreformen angegangen werden.
Was Sallmutter vermutlich vorschlagen wird, dürfte nicht mehr bewirken als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. An oberster Stelle wird wohl die Eindämmung der Medikamentenkosten stehen. Diese stiegen in den ersten drei Quartalen 1999 um 12 Prozent und sind daher ein Hauptverursacher der Misere.

Nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein

Doch recht viel mehr als Absichtserklärungen wird Sallmutter nicht präsentieren können. Etwa die Tatsache, dass schon seit geraumer Zeit Verhandlungen mit Industrie, Großhandel und Apothekern laufen, um die Gewinnspannen zu senken. Derzeit macht beispielsweise der Privatverkaufspreis für ein Medikament mehr als das zweifache gegenüber dem Herstellerabgabepreis aus (Grafik). Die Arbeiterkammer hat bei der Preiskommission eine Senkung der Groß-handelsspannen beantragt; der Hauptverband wird an die Arzneitaxen-Kommission dasselbe Begehren für die Apotheken richten. Dies würde den kranken Kassen zwar Linderung bringen, keinesfalls aber Genesung. Denn schon im Februar 1997 gab es eine Spannensenkung, wobei der Durchschnitt laut Hauptverband auf rund 14 Prozent gedrückt werden konnte (zwischen zehn und 18 Prozent, degressiv). Das war eine der Maßnahmen nach dem Kassensparpaket 1996, das noch die Krankenscheingebühr, Leistungskürzungen etwa bei Kuren, Beitragserhöhungen für Pensionisten und höhere Rezeptgebühren brachte. Mit dem Effekt, dass nun, drei Jahre später, das Finanzloch noch tiefer ist als es 1995 war (Grafik). Und das, obwohl die Kassen ihre Ausgaben seit 1997 für den kostenintensivsten Spitalsbereich gedeckelt (bei knapp 37 Mrd. Schilling) und auch für ihre praktischen Ärzte ein "Honorarlimit" eingezogen haben. So erhält ein Praktiker für jeden Krankenschein pro Quartal 231 S, ab dem Achthundertsten nur noch 179 S, ab Krankenschein Nummer 1001 nur noch 47 S.
Auch sonst regiert der Sparstift. Trotzdem steigen die Ausgaben (plus 5,8% in den ersten drei Quartalen 1999) der Kassen doppelt so schnell wie deren Einnahmen (plus 2,6%). Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt - Versicherungsbeiträge zahlen die Erwerbstätigen und deren Arbeitgeber - hat sich zwar ausgewirkt, aber nicht genü-gend. Und Beitragserhöhungen kommen derzeit für keine Partei in Frage, weil sie die Lohnnebenkosten in die Höhe treiben würden. Und Leistungskürzungen will sich schon gar kein Politiker bei den nächsten Wahlen ankreiden lassen.
Da übernimmt man schon lieber die Verantwortung für neue Segnungen: etwa für die Invitro-Fertilisation mit Kassenzuzahlung, was den Krankenkassen ab 2000 rund 300 Millionen S jährlich kosten dürfte, eine Initiative der ÖVP. Kommendes Jahr wird die Chipcard den Krankenschein ersetzen. Kostenpunkt: rund eine Milliarde. Klima und ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel haben daher die Abschaffung der Krankenschein-Gebühr versprochen. Man darf gespannt sein, wie sie den entstehenden Entfall von einer halben Milliarde jährlich ersetzen wollen.
Kosten wird auch die überfällige Psychotherapie auf Krankenschein. Weiters werden die Begehrlichkeiten der Länder nach mehr Geld für die Spitäler in den Finanzausgleichsverhandlungen Ende 2000 eine Bresche ins Budget schlagen.
Es herrscht eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Und die ist milliardengroß.

(c) Salzburger Nachrichten



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